Durst der Rabenkrähe

DURST! Ein junger schwarz-grau gefiederter Vogel steht auf einem herdplattenheißen Pflaster. DURST! Der Jungvogel ist dabei, aus Angst zu verdursten, sich in den Tod zu schreien. Fast überstreckt weit aufgerissen sein Schnabel. Er lässt sich weit in seinen blutroten Rachen blicken. DURST!

dürstende Rabenkrähe

Er hüpft, fliegen kann er nicht. Fünfzig Grad mag es auf dem Boden haben. DURST! Kein Ventilator in Sicht. Keine Scherze! Wie ist er hierher gekommen? Aus dem Nest gefallen, der Tollpatsch? Aus dem Nest geschubst, ein Esser weniger? DURST!

dürstende Rabenkrähe

Ein Junge hat in den Park, zu dem der gepflasterte Platz mit Baumbestand gehört, seine Wasserspritzpistole mitgebracht. Behutsam träufelt er damit Wasser in den Schnabel. Seine Schwester will und darf auch mal. Die Eltern sehen mitfühlend zu.

Der Vater sagt: »Eine Kreatur wie du und ich. Auch wie ein Schicksal.«

Beherzt nimmt die Mutter den Vogel und trägt ihn in den Schatten. Sie sagt:
»Eine junge Rabenkrähe.« Offenbar kennt sie sich mit Vögeln aus. »Schaut nach oben! Die Rabeneltern sind keine Rabeneltern. Sie haben alles beobachtet.«

Jetzt sehen auch wir die Rabeneltern auf den Ästen. Aufgeregt schauen sie auf die geschäftigen Zweibeiner herab.

»Wenn wir weg sind, kommen sie runter und versorgen ihr Junges. – Und wenn keine Katze kommt, kommt es durch. – Kommt, stören wir nicht weiter.«

Sie brechen auf, und ich sehe sie in einer Eisdiele verschwinden.

[Text von Bonadea Belén, 05.07.2025 + 24.06.2025 | Foto AS, Juli 2025]

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